Gemeinsamkeiten entdecken beim Schüleraustausch Krakau und Aachen

Erfindung der polnisch-deutschen „Weltraum-Ziege” und das Dreiländer-Karussell
Von: Ulrike Becker und Gerhard Buiting

Als Fortsetzung der Krakau-Reise vom Mai 2017 besuchten jetzt zehn polnische Gastschülerinnen und Gastschüler aus dem etwa 1200 km entfernten Krakau mit ihren Lehrerinnen Beata Oles und Anna Zurawel die Heinrich-Heine-Gesamtschule in der Woche vom 24. bis 30.September 2017.

Schülerinnen mit Weltraum-ZiegeSchülerinnen mit „Weltraum-Ziegen”

Nach einer langen Busfahrt aus der zweitgrößten Stadt Polens konnten sich unsere Gäste am ersten Ankunftstag, dem Sonntag, in den Gastfamilien erholen, ehe es montags mit dem eigentlichen Schulbesuch losging. In der Heinrich-Heine-Gesamtschule empfingen sie ein gedeckter Tisch und ein warmherziger und humorvoller Empfang durch unseren Schulleiter Herrn Hillebrand. Zur Belohnung wurde er mit köstlichen Krakauer Schokolade-Produkten beschenkt.

Empfang in der Heinrich-Heine-GesamtschuleEmpfang in der Heinrich-Heine-Gesamtschule

Nach diesem gemütlichen Frühstück in der Schul-Mensa und einer kurzen Schulbesichtigung wurden der Aachener Dom und die Schatzkammer im Rahmen einer Führung erkundet. Leider musste der größte Teil unserer beteiligten Schülerinnen und Schüler während dieser Zeit in ihren LK-Klausuren schwitzen. Gegen Mittag traf sich die gesamte Gruppe in der Aachener Studentenmensa, um danach durch eine Rallye die Altstadt Aachens zu entdecken.

Ausflug in das Aachener StadtzentrumAusflug in das Aachener Stadtzentrum

Um sich über Sprachgrenzen hinweg kreativ auszutauschen, wurde am Folgetag ein utopisches deutsch-polnisches „Spacelab“ - eine ökologische Wohnsphäre der Zukunft - entwickelt und modellhaft gebaut. Überdimensionierte Badewannen und unschuldig blickende „Weltraum-Ziegen“ entstanden als Accessoires der kugelförmig angelegten „Eco-Sphere“ unter der Anleitung der Künstlerin und Bühnenbildnerin Laura Wallrafen.

KreativSprachhürden überwinden...

DESCRIPTION...und gemeinsam kreativ sein

Weltraum-Ziege auf NahrungssucheWeltraum-Ziege auf Nahrungssuche

Neben Touristenattraktionen und Kreativprogramm gehört zum Kernbereich des Austausches jedoch auch die Thematisierung der gemeinsamen, oftmals leidvollen und eng miteinander verknüpften Geschichte unserer beider Nachbarländer. Daher ging es am Mittwoch in die Eifel zur „IP Vogelsang“, der ehemaligen „Ordensburg“ der Nationalsozialisten. Mit teils ungewöhnlichen, jedoch anschaulichen Methoden wurde den Schülern verdeutlicht, wie hier die „Elite“ des 3. Reiches ausgebildet und zu „Herrenmenschen“ gemacht wurde.

VogelsangVogelsang

Das schöne Wetter und die herrliche Landschaft wurden durch die dort vermittelten Informationen und das Nachdenken über die Folgen dieser Art „Erziehung“ etwas überschattet. Dieser Teil des Austausches war eine Ergänzung des Besuchs des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz im Mai diesen Jahres. Einem Ort der Opfer wurde ein Täterort gegenüber gestellt.

Vogelsang - ÜbungVogelsang - Übung

Unbegreiflich bleibt das Geschehen an beiden Orten, aber die Funktionsmechanismen des brutalen Regimes konnten vielleicht in Ansätzen erfasst werden und die zum Teil problematische Beziehung zwischen den beiden Ländern verständlicher machen.

Vogelsang - gemeinsames EssenVogelsang - gemeinsames Essen

Ein Köln-Besuch war am Donnerstag unabdingbar, ist doch der Kölner Dom in allen Deutschbüchern der polnischen Deutschklassen abgebildet! Eine etwas zu ausführliche Stadtführung vermittelte neben dem Wissen über das Weltkulturerbe Kölner Dom und die römischen Gründungsgeschichte die unverkennbare „kölsche“ Duftnote 4711.

Kultur in KölnKultur in Köln

Ebenso zeigte die Stadtführung auf, welche Immobilien im Besitz des Starfußballers mit polnischem Migrationshintergrund „Poldi“ (Lukas Podolski) sind. Zum Glück blieb noch Zeit zum „Shoppen“, ehe es wieder mit dem Zug Richtung Aachen ging.

Führung durch die Kölner InnenstadtFührung durch die Kölner Innenstadt

Der letzte gemeinsame Tag in Aachen verwöhnte mit herrlichem Wetter und führte die Gruppe zum Dreiländereck. Dort stand erstaunlicherweise nicht der Dreiländerpunkt im Zentrum des Interesses, auch nicht das - souverän bewältigte Labyrinth - sondern der großzügig sich ausbreitende Kinderspielplatz. Besonders das kleine Karussell hatte es, neben dem Trimm-Dich-Parcours, den Jugendlichen angetan, ordentlich in Schwung gebracht durch die männlichen Teilnehmer.

DreiländerpunktDreiländerpunkt

Spaß auf dem KarussellSpaß auf dem Karussell

Bei einem gemeinsamen Essen wurde die Austauschwoche abgeschlossen und der Abschied eingeläutet. Dieser fiel in jeder Hinsicht tränenreich aus, denn sogar das Wetter schlug pünktlich zur Abfahrt um. So standen denn die deutschen Teilnehmer unter triefenden Schirmen um den polnischen Freunden hinterher zu winken.

Alle Fotos: hhg