Schulleiter Dr. Parting geht in den Ruhestand

Schulleiter Dr. Heinrich Parting in der Presse: Bericht der „Aachener Nachrichten” vom 10. Januar 2015

Drei Gesamtschulen hat er mit aufgebaut: Heinrich Parting
Dr. Heinrich Parting, langjähriger Schulleiter der Heinrich-Heine-Gesamtschule, geht am 31. Januar in den Ruhestand
Von Margot Gasper, Aachener Nachrichten vom 10. Januar 2015

Aachen. 1982, gleich nach seinem zweiten Staatsexamen, trat der junge Lehrer Dr. Heinrich Parting an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Leverkusen seine erste Stelle an. „Und ich hatte null Ahnung, was Gesamtschule ist“, gesteht er. Ausgebildet war er schließlich fürs Gymnasium. In den Jahren danach hat Heinrich Parting drei neue Gesamtschulen mit aufgebaut. An Aachens erster Gesamtschule, der Heinrich-Heine-Gesamtschule, ist er bereits seit 13 Jahren Schulleiter.

Dr PartingIm Ruhestand will Heinrich Parting erst mal reisen. Foto: Harald Krömer

Am 31. Januar sagt der 65-Jährige nun endgültig Tschüss und geht in den Ruhestand. Er verabschiedet sich von einer Schulform, die nach seiner Überzeugung allen Kindern größtmögliche Chancen bietet. Er verlässt eine Schule, die sich seit 29 Jahren um individuelle Förderung bemüht, die an ihrem Standort draußen in Laurensberg allerdings mächtig zu kämpfen hat. Auch deshalb hat er mit seinem Team gerade wieder neue Projekte auf den Weg gebracht.

Sport und Geographie

Parting stammt aus Inden (Kreis Düren). Studiert hat er Geographie und Sport fürs Lehramt, danach noch einmal Geologie und Wirtschaftsgeographie für seine Promotion. Als 1986 in Aachen die erste Gesamtschule gegründet wurde, damals übrigens an der Sandkaulstraße, da war Heinrich Parting als Lehrer dabei. 1989 ging er nach Alsdorf, 1991 nach Übach-Palenberg. Die dortigen Gesamtschulen hat er mit aufgebaut.

An die Heinrich-Heine-Gesamtschule kam Parting 2002 als Schulleiter zurück. Die Gesamtschule, die ihm als jungem Lehrer so fremd war, hat Parting als „wirklich demokratische, fördernde Schulform“ kennen- und schätzen gelernt. „Es gibt immer noch Bildungsungerechtigkeit“, sagt er, „und es ist unsere Aufgabe, diese zu beseitigen oder wenigstens zu mildern.“

Den Standort seiner Schule im Schulzentrum am Rand der Stadt findet Parting nach wie vor „sehr, sehr schwierig“. Die Schule hält mit besonderen Angeboten dagegen, etwa einem ausgeprägten Profil in Kunst, Kultur und Sport. Es gibt sogar Leistungskurse in den Fächern Sport und Kunst. Eine Extraportion Sport oder Kultur gibt es schon in der Sekundarstufe I in den „Profilklassen“. Und im nächsten Schuljahr kommen zwei neue „Profile“ dazu.

„Wir werden für die neuen Fünftklässler erstmals eine Instrumentalklasse anbieten“, kündigt Parting an. Und es wird, ebenfalls ganz neu, eine „Entdecker-Klasse“ geben. Unter dem Motto „Forschen, Entdecken und Bewahren“ werden hier Inhalte aus den Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften verknüpft. Künftig soll es für jedes Kind einen spannenden Schwerpunkt geben, kündigt Parting an: „Wir fragen: Wo liegen Deine Interessen, wo willst Du mitarbeiten? Solche Angebote machen Schule attraktiv.“

Demnächst auch Dalton-Stunden

Ein weiteres Projekt, allerdings noch in der Entwicklung: der Einstieg in die Dalton-Pädagogik. Das ist eine Form des selbstbestimmten Lernens, bei der die Schüler Fach und Lehrer wählen. „Die Kinder suchen sich in der Dalton-Stunde aus, wer ihnen Dinge erklären soll“, sagt Parting. Er verspricht sich davon eine besonders intensive Form der individuellen Förderung. „So lässt sich ein positives Lernklima schaffen, das Anstrengungsbereitschaft kultiviert.“

Das nötige Know-how hat sich die Gesamtschule beim Gymnasium Alsdorf geholt, immerhin die erste zertifizierte Dalton-Schule im deutschsprachigen Raum. „Wir nehmen uns ein Jahr Zeit, für uns ein Modell zu entwickeln“, kündigt Parting an.

Die Ergebnisse wird er selbst dann allerdings nicht mehr vor Ort verfolgen. Im Ruhestand stehen für den scheidenden Schulleiter zunächst ausgedehnte Reisen auf dem Programm – endlich mal außerhalb der Ferien. Parting könnte sich aber auch vorstellen, in Aachens chinesischer Partnerstadt Ningbo für ein paar Monate eine Aufgabe zu übernehmen. Wer künftig die Schulleitung an der Heinrich-Heine-Gesamtschule managt, ist noch offen. Ganz sicher wird es jemand sein, der Ahnung hat von Gesamtschule.

In manchen Jahren entlässt die Schule mehr als 80 Abiturienten

Die Heinrich-Heine-Gesamtschule am Hander Weg in Laurensberg hat aktuell rund 1000 Schüler und ein gut 100-köpfiges Kollegium. Seit Jahren lassen die Anmeldezahlen fürs fünfte Schuljahr zu wünschen übrig. In der eigentlich sechszügigen Schule kommen regelmäßig nur vier Eingangsklassen zustande.

„Allerdings haben wir eine sehr große gymnasiale Oberstufe“, sagt Heinrich Parting, „in manchen Jahren mit mehr als 80 Abiturienten“. Mit Freude weist er regelmäßig darauf hin, dass an der Gesamtschule deutlich mehr junge Menschen das Abitur oder die Qualifikation für die Oberstufe schaffen, als nach der Grundschule eine Empfehlung fürs Gymnasium hatten. Die ausgeprägte Förderung habe offenbar erhebliche Entwicklungspotenziale bei den Schülern freigesetzt und zu guten Resultaten geführt, schlussfolgert Parting in einem Elternbrief.

Schule, sagt der scheidende Schulleiter, müsse heute immer mehr erzieherische Aufgaben übernehmen und einer zunehmend heterogenen Schülerschaft gerecht werden.

Die Inklusion, die gemeinsame Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung, stellt ebenfalls neue Anforderungen. Kinder mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten lernen an der Gesamtschule.

Seit diesem Schuljahr hat die Heinrich-Heine-Gesamtschule auch zwei Internationale Förderklassen, in denen Schüler und Schülerinnen aus dem Ausland zunächst an die deutsche Sprache herangeführt werden. „In diesen Klassen kümmern wir uns auch um Flüchtlingskinder, die teils ohne Eltern und schwer traumatisiert hier ankommen“, sagt Heinrich Parting.

Bericht der Aachener Nachrichten (Lokales, Aachen) vom 10. Januar 2015. Diesen Zeitungsartikel finden Sie in leicht geänderter Form auch online auf dem Internetportal der Aachener Nachrichten.